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Kreislauf, Lunge, Herz

Herzinfarkt, Ursachen, Erkrankungsrisiko und Vorbeugung

Für etwa 85 Prozent der Menschen endet ein Herzinfarkt tödlich , bei den Überlebenden bleibt ein Teil des Herzmuskelgewebes für immer geschädigt

Ein akuter Herzinfarkt verursacht meist ähnliche Beschwerden wie ein Angina-pectoris-Anfall: Atembeklemmungen und tiefe, dumpfe Schmerzen in der Brustmitte, die sich zum Hals, Kinn, Rücken und auf die Arme ausbreiten können; Todesangst; kalter Schweiß; rasender Puls.

Bei etwa einem Fünftel der Betroffenen „maskiert“ sich ein Herzinfarkt jedoch: plötzliche Bewußtlosigkeit mit Erbrechen, aber ohne Schmerzen; unklare Beschwerden im oberen Bauchbereich oder eine unerklärliche Atemnot; leichter Druck in der Brustmitte, verbunden mit unerklärlichen Schmerzen in einem Arm oder im Kiefer. Im Gegensatz zur Angina pectoris vergehen die Beschwerden eines Herzinfarkts nicht, wenn man eine Nitroglyzerin-Kapsel einnimmt. Auch nach einigen Minuten Ruhe lassen sie nicht nach.

Ein Herzinfarkt kann auch im Zustand der Ruhe auftreten. Die meisten Infarkte ereignen sich am frühen Vormittag.

 

Herzinfarkt

 

Ursachen

Ein Herzinfarkt hat dieselbe Ursache wie eine Angina pectoris: Die Blutversorgung und damit die Sauerstoffzufuhr des Herzmuskels ist unzureichend. Das ist dann der Fall, wenn die Herzkranzarterien wegen Arteriosklerose zu stark verengt sind. Oft ist der letzte Auslöser für den Infarkt ein Blutpfropf an der Engstelle. Der Unterschied zur Angina pectoris besteht darin, daß beim Infarkt die Sauerstoffnot eines Muskelbereichs so groß ist, daß das Gewebe abstirbt, wenn es nicht gelingt, innerhalb von etwa sechs Stunden das verengte Gefäß zu eröffnen.

 

Erkrankungsrisiko

In Deutschland erleiden jährlich mehr als eine halbe Million Menschen einen Herzinfarkt. In Österreich sterben jedes Jahr rund 10 000 Personen an einem Herzinfarkt. Bei den unter 50jährigen erleiden mehr Männer als Frauen einen Herzinfarkt. Da Frauen aber im Durchschnitt älter werden als Männer, liegt die Gesamtzahl der Herzinfarkte bei Frauen über der der Männer. Zudem hat die Infarkthäufigkeit bei Männern in den vergangeneu Jahren um 18 Prozent abgenommen, während sie bei den Frauen leicht angestiegen ist.

Weil man Frauen jahrzehntelang zu Unrecht als wenig infarktgefährdet ansah, hat man ihr Risiko weitgehend vernachlässigt. Erst in letzter Zeit haben Fachleute begonnen, bei den entsprechenden Beschwerden auch bei Frauen einen Infarkt in die Diagnoseüberlegungen mit einzubeziehen.

 

Folgendes erhöht das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden:

  • Rauchen steigert das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, um das zwei – bis fünffache.
  • Erhöhter Blutdruck
  • Diabetes
  • Zu viel Fettstoffe im Blut
  • Gicht
  • Außerdem vermutet man, daß Personen, die übergewichtig sind, und solche, die ihre Arbeits – und Lebensbedingungen ständig als sehr belastend empfinden, ebenfalls ein erhöhtes Risiko haben, einen Herzinfarkt zu erleiden

 

Mögliche Folgen und Komplikationen

Für etwa 85 Prozent der Menschen endet ein Herzinfarkt tödlich. Bei den Überlebenden bleibt ein Teil des Herzmuskelgewebes für immer geschädigt. Das bedeutet, daß das Herz nur vermindert belastbar und seine Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Regelmäßiges körperliches Training kann die Leistungsfähigkeit jedoch wieder steigern.

Weil aber die „Verkalkung“ der Blutgefäße mit zunehmendem Alter fortschreitet, besteht die Gefahr eines neuerlichen Herzinfarkts. Entsprechende Vorbeugung kann dieses Risiko verringern.

 

Vorbeugung

  • Hören Sie auf zu rauchen. Wer es schafft, das Rauchen für mehr als zwei Jahre aufzugeben, hat
    wieder dasselbe Risiko wie jemand, der nie geraucht hat.
  • Übergewicht abbauen.
  • Bluthochdruck unbedingt behandeln.
  • Zu hohen Cholesterinspiegel senken.
  • Körperliche Bewegung, besonders Laufen. Dieses allerdings erst, nachdem Arzt oder Ärztin Sie genau untersucht haben.
  • Nichts essen, was schwer im Magen liegt.
  • Vermeiden Sie psychischen Streß, plötzliche Anstrengungen und plötzlichen starken Temperaturwechsel.
  • Gestalten Sie Ihr Leben so, daß Sie das für Sie angemessene Gleichgewicht von Spannung und Entspannung halten.

 

Entstehung eines Herzinfarktes

 

HerzinfarktDas Blut fließt durch das offene Gefäß

 

 

 

 

 

 

 

 

HerzinfarktVerengung im Gefäß behindert den Blutfluß

 

 

 

 

 

 

 

 

HerzinfarktEin Thrombus verschließt das Gefäß:

Ein Teil des Herzens wird nicht mehr durchblutet

 

 

 

 

 

 

 

Ein Herzinfarkt kann in jeder Situation auftreten: im Theater, zu Hause, beim Tennisspielen usw. Die meisten Menschen sterben innerhalb der ersten Stunde, nachdem sie die ersten Beschwerden bemerkt haben. Das bedeutet, daß die erste Stunde über die Chance entscheidet, einen Herzinfarkt zu überleben.

Lassen Sie sich bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sofort ins Krankenhaus fahren. Jeder zweite Herzinfarkt-Patient, der stirbt, könnte bei sofortiger richtiger medizinischer Hilfe überleben.


Selbsthilfe

Die wichtigste und häufig lebensrettende Maßnahme ist, unverzüglich einen Krankenwagen zu rufen. Das ist jedoch nur möglich, wenn Betroffene oder Angehörige die Anzeichen eines Herzinfarktes erkennen können. Nur dann verstreicht die wertvolle Zeit nicht ungenutzt. Wer vermutet, daß er einen Herzinfarkt hat, sollte sich sofort hinlegen und jede Anstrengung und Aufregung vermeiden. Schlucken Sie eine Tablette Aspirin.

Behandlung

Besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt, wird die Herztätigkeit technisch überwacht. Gespritzte oder infundierte Medikamente sollen die Schmerzen verringern, die Todesangst nehmen, das Herz entlasten und Rhythmusstörungen ausgleichen.

Innerhalb der ersten Stunden nach dem Auftreten der Beschwerden können Fachleute noch versuchen, die Blutpfropfen in den Gefäßen mit Medikamenten aufzulösen. Damit ließe sich der Schaden am Herzmuskel begrenzen. Die meisten Herzinfarkt-Betroffenen leiden nach einigen Tagen an Depressionen, die ebenfalls behandelt werden sollten.

Wer längere Zeit bettlägerig ist, hat ein erhöhtes Risiko, eine Lungenembolie zu erleiden. Um das zu verhindern, wird der Gerinnungshemmet Heparin gespritzt.

Bypass-Operation

Eine Bypass-Operation nach einem Herzinfarkt kann unter Umständen die Lebenserwartung verlängern. Ob sie sinnvoll ist, hängt vom Zustand der Herzkranzgefäße ab.


Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus

Der Krankenhausaufenthalt dauert meist etwa zwei bis drei Wochen. Direkt anschließend folgt meist ein mehrwöchiger Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum, wo die körperlichen Aktivitäten gezielt gesteigert werden. Eine solche Kur sollten auch Frauen einfordern, für die Untersuchungen belegen, daß ihnen deutlich seltener als Männern eine solche Rehabilitation angeboten wird. Das Rehabilitationsprogramm hängt vom Alter, vom Ausmaß der Schädigung, von eventuellen Rhythmusstörungen, von einer eventuell bestehenden Herzschwäche, von der beruflichen Situation und von den persönlichen Vorstellungen ab.

Wenn möglich, sollten Sie sich einer sogenannten „ambulanten Herzgruppe“anschließen. Es gibt davon inzwischen mehr als tausend. Adressen können Sie an den Herzabteilungen (Kardiologie) der Krankenhäuser erfragen.

Wenn das Herz etwa sechs Wochen nach einem überstandenen Infarkt wieder gut arbeitet, kann man meist wieder ein normales Leben führen. Um weitere Infarkte zu verhindern, ist es jedoch unbedingt notwendig, alle Vorbeugemaßnahmen zu beachten. Wer sich daran hält, hat gute Chancen, das Leben weiterhin genießen zu können. Vermeiden Sie für drei bis vier Wochen nach dem Herzinfarkt sexuelle Aktivitäten. Alkohol ist in geringen Mengen erlaubt.


Medikamente zur Verhinderung weiterer Infarkte

Aspirin: Viele Fachleute empfehlen, täglich Aspirin einzunehmen, um weitere Infarkte zu verhindern. Der Nutzen dieser Behandlung ist jedoch umstritten. Ihr Nachteil liegt in der häufigen Magenunverträglichkeit. Allerdings reicht für den Schutz des Herzens eine Tablette Aspirin aus.

Gerinnungshemmende Mittel, wie Coumadin, Marcumar oder Sintrom: Ob diese Medikamente einem Herzinfarkt vorbeugen können, ist in der Medizin seit Jahrzehnten umstritten. Unbestritten ist allerdings, daß Gerinnungshemmer als Nebenwirkung schwere Blutungen verursachen können. Die Einnahme ist sicher dann sinnvoll, wenn sich an der Herzinnenwand im Bereich des Infarktes Blutgerinnsel ablagern. Dieses kann man durch eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens feststellen.

Betablocker: Verschiedene Untersuchungen zeigen, daß Betablocker die Überlebensrate erhöhen.