Kurzsichtigkeit (Myopie), weiter Entferntes wird unscharf

Artikel von gesundheitssinne in Augen, Nase, Ohren

Kurzsichtige können in der Nähe bis zu fünf Metern scharf sehen, weiter Entferntes sehen sie verschwommen, es gibt zwei Arten von Kurzsichtigkeit

Bei Kurzsichtigen entsteht das Bild dessen, was sie in der Ferne betrachten, vor und nicht auf der Netzhaut. Selten ist der Grund dafür eine zu starke Krümmung von Hornhaut und Linse, meist ist der Augapfel aus ungeklärter Ursache zu lang.

Es gibt zwei Arten von Kurzsichtigkeit. Bei der Schulmyopie verstärkt sich die Kurzsichtigkeit in der Jugendzeit bis zum 25. Lebensjahr und bleibt unter -6 Dioptrien. Die zweite Art, die anlagebedingte degenerative Kurzsichtigkeit, tritt nur selten auf. Hierbei schreitet die Dehnung des Augapfels bis ins höhere Alter fort.

 

Kurzsichtigkeit (Myopie), weiter Entferntes wird unscharf

 

 

Risiko

Kurzsichtigkeit kann sich durch körperliche oder seelische Überbelastung, schlechte Beleuchtung und ungünstige Arbeitsbedingungen vorübergehend verstärken. Medikamente, wie Sulfonamide oder Acetazolamid, Prellungen und Blutzuckeranstieg können vorübergehend kurzsichtig machen. Die Hormonumstellung in der Schwangerschaft kann Kurzsichtigkeit bleibend verschlechtern.

Die Alterstrübung der Linse verändert das Sehvermögen in Richtung Kurzsichtigkeit. Unter Umständen sehen Weitsichtige dann vorübergehend wieder scharf genug, um ohne Brille lesen zu können.

 

Mögliche Folgen und Komplikationen

Kurzsichtige sehen häufig im Dunkeln schlecht („Nachtblindheit“), Sie sollten nächtliche Autofahrten meiden. Durch den langen Augapfel wird die Netzhaut sehr gedehnt. Dadurch treten im Bereich zwischen 6 und 8 Dioptrien Netzhautdefekte häufiger auf. Bei der anlagebedingten Kurzsichtigkeit können Netzhautablösung und – blutung zum Verlust des scharfen Sehens führen, wenn nicht rechtzeitig behandelt wird.

 

Vorbeugung

Vermeiden Sie Nachtarbeit und Arbeit in künstlich erleuchteten Räumen.

Immer sollte,

der Arbeitsplatz nach Bedarf ausgeleuchtet sein.

der Arbeitsabstand genau eingehalten werden: beim Lesen 35 bis 40 Zentimeter, bei Bildschirmarbeit 50 Zentimeter.

Vermeiden Sie Überanstrengung durch zu lange Feinarbeit. Sind die Augen müde, sollten Sie Pausen einlegen, bis Sie sich wieder entspannt fühlen.

Höhergradig Kurzsichtige sollten keine körperliche Schwerstarbeit verrichten, weil das zu Glaskörperblutungen führen könnte.

Da Kurzsichtige meist lichtempfindlich sind, sollten sie bei Sonnenschein Lichtschutzgläser tragen. Brillengläser für Innenräume sollten jedoch nur wenig getönt sein.

 

Wann zur Ärztin oder zum Arzt?

Wenn Sie die Lider zusammenkneifen müssen, um in der Ferne scharf zu sehen. Kurzsichtige Kinder merken selbst lange nichts von der Sehschwäche.

Regelmäßige augenärztliche Untersuchungen helfen eine Netzhautveränderung frühzeitig zu erkennen. Die Untersuchung sollte unbedingt eine Biomikroskopie der Netz- und Aderhaut umfassen. Diese Untersuchung ist nicht allgemein üblich.

 

Selbsthilfe

Bis etwa 0,75 Dioptrien Kurzsichtigkeit empfinden viele Menschen das unscharfe Sehen in der Ferne nicht als störend und tragen keine Brille. Für Teilnehmer am Straßenverkehr ist optimales Sehen jedoch Pflicht – zur eigenen Sicherheit und der der anderen. Entspannung von Körper und Seele entlastet auch die Augen und kann Kurzsichtigkeit mildern. Besonders eignen sich dazu Atemübungen.

 

Behandlung

Eine Brille mit konkav geschliffenen Gläsern korrigiert die Kurzsichtigkeit. Durch sie erscheint alles kleiner, der Raum tiefer, der Boden näher. Beim Blick durch die Randbereiche der Brille werden aus geraden Linien gebogene – je stärker die Kurzsichtigkeit ist, um so mehr. Das Gehirn korrigiert dieses verzerrte Bild allmählich durch Erfahrung. Steigt man jedoch auf
eine größere oder stärkere Brille oder auf Kontaktlinsen um, muss sich das Gehirn erst umstellen. Es kann einige Tage dauern, bis die Beschwerden – ein verbogenes Bild, Kopfweh, Schwindel – wieder vergehen.

Bei Kontaktlinsen gibt es keine Verzerrungen im Randbereich des Bildes. Verordnen Ärztin oder Arzt in Österreich Kontaktlinsen in der Hoffnung, damit eine fortschreitende Kurzsichtigkeit aufzuhalten, übernehmen die Krankenkassen bei Kindern bis zum 15. Lebensjahr die Kosten. Sonst werden sie ab 7 Dioptrien, in Deutschland ab -8 Dioptrien von den Krankenkassen bezahlt.

 

Kurzsichtigkeit

Normalsichtigkeit

Die Lichtstrahlen treffen auf der Netzhaut zusammen. Das Bild ist scharf.

 

 

 

 

 

 

 

Kurzsichtigkeit2

Kurzsichtigkeit

Die Lichtstrahlen treffen vor der Netzhaut zusammen. Das Bild ist unscharf.

 

 

 

 

 

 

 

Kurzsichtigkeit

Weitsichtigkeit

Die Lichtstrahlen treffen hinter der Netzhaut zusammen. Das Bild ist unscharf.

 

 

 

 

 

 

 

Operationen

 

Radiäre Keratotomie

Das sternförmige Einschneiden der Hornhaut kann bei Kurzsichtigkeit bis -6 Dioptien etwa 90 Prozent der Operierten ein nahezu normales Sehvermögen bringen. Allerdings schwankt die Sehschärfe, es gibt Probleme durch Narben, die Personen werden sehr lichtempfindlich.

 

Operation mit Excimer-Laser

Der Laser trägt im Zentrum der Hornhaut eine dünne Schicht ab. Dies ist nur bei mäßiger Kurzsichtigkeit erfolgreich, bringt nach der Operation starke Schmerzen und für Monate oder sogar auf Dauer Schleiersehen und verminderte Sehschärfe mit sich.

 

„Lebende Kontaktlinse“ (Epikeratophakie):

Eine aus einer Spenderhornhaut beschliffene „Linse“ wird auf die eigene Hornhaut aufgesetzt und vernäht. Damit können hochgradige Kurzsichtigkeit, Linsenlosigkeit und die extreme Vorwölbung der Hornhaut (Keratokonus) erfolgreich und mit geringen Komplikationen behandelt werden. In Deutschland und Österreich wird diese Operation nur in wenigen Krankenhäusern durchgeführt. Ob das Lasik-Verfahren, bei dem eine Hornhautschicht abgehoben, die darunterliegende Hornhautebene mit Laser abgetragen und der Hornhautdeckel wieder aufgelegt wird, guten Langzeiterfolg sichert, ist noch nicht bekannt. Das Verfahren ist wissenschaftlich noch nicht anerkannt.

Für Eingriffe am gesunden Auge mit dem ausschließlichen Ziel, Brille oder Kontaktlinse loszuwerden, tragen die Kassen die Kosten nicht. Wer eine solche Operation privat bezahlen möchte, muss mit hohen Kosten rechnen. Der Eingriff kann ambulant durchgeführt werden.