Akne wird nicht durch mangelnde Hygiene verursacht

Etwa 5,5 Millionen Mal im Jahr werden in Deutschland Ärztin oder Arzt wegen Akne aufgesucht, die Betroffenen sind zwischen zwölf und zwanzig Jahre alt

In der Pubertät muß sich im Körper ein Gleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Hormonen einpendeln. Das männliche Hormon Testosteron regt die Talgdrüsen zu vermehrter Produktion an. Eine gesteigerte Hornproduktion am Ausgang der Talgdrüsen behindert den Abfluß des Talgs. Der Talgbeutel vergrößert sich, bis sein Inhalt nach außen tritt und als Pünktchen sichtbar wird. Seine schwarze Färbung verdankt es chemischen Prozessen. Wenn sich dieses Talg-Horn-Gemisch entzündet, bilden sich „Pickel“ oder „Pusteln“. Sind tiefere Hautschichten in den Entzündungsprozeß mit einbezogen, spricht man von Akne.

 

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In psychischen Streßsituationen kann die Akne besonders heftig „aufblühen“, Medikamente wie Kortison, Jod, Brom, Antiepileptika, Lithium, Vitamin B6, B12 und D2 können ebenfalls Akne verursachen. Typisch für eine medikamentös verursachte Akne ist, daß sie plötzlich beginnt, auch ungewohnte Stellen (Rumpf, Arme, Beine) ausgedehnt befällt und auch außerhalb der Pubertät auftritt.

Auch die Vergiftung mit polychlorierten Kohlenwasserstoffen (z. B. Dioxin) kann zu Akne führen. Akne, die durch längeren Hautkontakt mit Teer, Pech oder Ölen entsteht, tritt in der Regel an den Stellen des direkten Kontakts auf, z. B. an den Oberschenkeln durch öldurchtränkte Hosen.

Cremes mit sehr fetten Salbengrundstoffen können gleichfalls Akne verursachen.

 

Beschwerden

Schwarze Pünktchen auf der Haut (offene Mitesser, Komedonen); weißliche, stecknadelkopfgroße Knötchen (geschlossene Mitesser). Entzündete Mitesser erscheinen als rote Aknepusteln. In schweren Fällen knotige, entzündliche Einlagerungen in der Haut; ausgedehnte Abszesse mit Narbenbildung.

 

Erkrankungsrisiko

Etwa 5,5 Millionen Mal im Jahr werden in Deutschland Ärztin oder Arzt wegen Akne aufgesucht. Die Betroffenen sind vorwiegend zwischen zwölf und zwanzig Jahre alt.In diesem Lebensabschnitt, in dem sich das Gleichgewicht der Hormone erst einpendeln muß, sind fast alle mehr oder weniger von Akne betroffen. Bei Frauen prägt sich die Akne meist in der zweiten Zyklushälfte stärker aus. Im Sommer bessert sich Akne meist, weil die UV-Strahlen bakterientötend wirken.

 

Mögliche Folgen und Komplikationen

In der Zeit, in der ihr Selbstbewußtsein und Identitätsgefühl noch kaum gefestigt sind, leiden die Jugendlichen unter einem Aussehen, das nicht dem Bild makelloser Schönheit entspricht.

Eine unsachgemäße Behandlung der Entzündungen kann bleibende Narben hinterlassen.

Vorbeugung ist nicht möglich.

Wenn Selbsthilfemaßnahmen den Zustand der Haut nicht bessern, sollten Sie zum Arzt gehen.

 

Entwicklung von Akne

Akne

Normale Talgdrüse
Mitesser: vermehrte Talgsekretion
Pickel: entzündetes Gewebe

 

Selbsthilfe

  • Die betroffenen Hautstellen zweimal täglich mit einer milden Reinigungsmilch waschen. Übliche Aknemittel, die danach aufgetragen werden, können die Reinigung unterstützen.
  • Zum Waschen empfehlen sich entfettende Syndets
  • Fettfreie Cremes statt fetthaltiger verwenden; es gibt sie auch getönt als Make-up
  • Benzoylperoxid-haltige Schälmittel erweichen die verhornte Haut, verringern die Talgproduktion und hemmen das Bakterienwachstum.
  • Am besten wäre es, die Pickel in Ruhe zu lassen oder von einer Kosmetikerin entfernen zulassen. Wenn das nicht gelingt, hilft die richtige „Ausdrücktechnik“, eine Verschlimmerung zu vermeiden.
  • Sonnenbestrahlung desinfiziert die Haut und trocknet sie aus.
  • Es gibt keinen gesicherten Zusammenhang zwischen einer bestimmten Ernährung und der Verschlimmerung von Akne.

 

Pickel richtig ausdrücken

  • Für zehn Minuten eine heiße Kompresse auflegen, damit die Haut aufweicht.
  • Die Haut mit 700/oigem Isopropanol desinfizieren.
  • Finger mit einem sauberen Tuch umwickeln.
  • Die Haut um den Pickel herum auseinanderziehen, dann aus der Tiefe herausdrücken.
  • Eiterpickel mit einer Einmal-Injektionsnadel aufstechen, dann leer drücken.
  • Mit einer Packung aus Heilerde oder Kamillenextrakt die Haut wieder beruhigen.

 

Behandlung

Fast jede Akne verschwindet von allein, wenn die Hormonproduktion die individuelle Balance erreicht hat. Wenn die Akne in der unruhigen Zeit sehr ausgeprägt ist, ist eine ärztliche Behandlung angebracht.

 

Äußerliche Behandlung

Effektiv, aber aggressiv ist die Behandlung mit Vitamin-A-Säure (Tretinoin) – nicht zu verwechseln mit Vitamin A und auch durch dieses nicht zu ersetzen. Die Akne verschlimmert sich dabei zunächst; doch nach spätestens zwei Monaten wird der Erfolg sichtbar.

 

Innerliche Behandlung

Sie ist erst dann angebracht, wenn die äußerliche Behandlung nicht erfolgreich war. Dann können beide Maßnahmen einander ergänzen.

  • Das Antibiotikum Tetrazyklin verringert die Bakterienbesiedlung der Talgdrüsen. Äußerlich aufgetragen und zusätzlich geschluckt, bessert sich die Akne nach zwei Monaten bei 40 Prozent, nach vier Monaten bei 60 Prozent und nach einem halben Jahr bei 80 Prozent. Schwangere dürfen Tetrazyklin nicht einnehmen.
  • Bei sehr ausgeprägter Akne, die anders nicht einzudämmen ist, haben sich die Wirkstoffe Isotretinoin (Roaccutan [D/Ö]) und Etretinat (Tigason [D]) bewährt. Dabei können beträchtliche Nebenwirkungen an Haut und Schleimhäuten auftreten. Weil diese Medikamente während der Schwangerschaft Fehlbildungen des Kindes verursachen können, muß vor der Behandlung eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen sein und während der Behandlung zuverlässig verhindert werden. Bei Roaccutan muß der Empfängnisschutz noch einen Monat nach dem Ende der Behandlung fortgesetzt werden, bei Tigason sogar noch zwei Jahre lang.
  • Frauen, die mit der „Pille“ verhüten, können sich ein Präparat verordnen lassen, dessen Gestagenanteil den männlichen Hormonen entgegenwirkt (Gestamestrol N [D], Neo-Eunomin [D]).

 

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